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LEHRBUCH 



DER 

MIKROPHOTOGRAPHIE 



VON 



Dr. RICHARD NEUHAUSS. 




Mit 61 Abbildungen in Holzschnitt, 



4 Autotypien, 2 Tafeln in Lichtdruck und 1 Photogravüre. 



BR AUNSC HWEIGr 
HARALD BRUHN 

Verlagsbuchhandlung für Naturwissenschaft und Medicin. 



1890. 



Alle Rechte Vorbehalten. 



ioeit dem im Jahre 1866 erfolgten Erscheinen des vortrefflichen 
Werkes von Moitessier, welches durch Benecke in’s Deutsche über- 
tragen wurde, ist kein ernstlicher Versuch unternommen, die von Jahr 
zu Jahr sich mehrende Literatur über Mikrophotographie zusammen- 
zufassen und zu sichten. Die seit jener Zeit erschienenen, mehr oder 
minder umfangreichen Schriften über Mikrophotographie begnügen sich 
mit der Beschreibung einzelner Apparate und Methoden, wobei den 
eigenen Erfindungen vom Autor ein über die Gebühr breiter Raum be- 
willigt wird. 

Der Mangel eines Lehrbuches konnte nicht verfehlen, auf die 
mikrophotographische Literatur bis in die neueste Zeit hinein den nach- 
theiligsten Einfluss ausüben. Der Autor von heute kennt zumeist nicht 
den Autor von gestern, und man schreibt und empfiehlt, was schon 
vor einem Menschenalter geschrieben und — verworfen ist. 

In vorliegender Arbeit wurde versucht, die geschichtliche Ent- 
wicklung der mikrophotographischen Apparate und Methoden zur Dar- 
stellung zu bringen und zu zeigen, wie man allmählich zu unseren 
brauchbaren Methoden gelangte. Verfasser war nach Kräften bemüht, 
jedem Autor zu seinem Rechte zu verhelfen und jedes Einzelnen Ver- 
dienste zu würdigen. Wenn hierbei in nicht seltenen Fällen der Ruhm 
für Einführung bedeutsamer Neuerungen Anderen als bisher zuge- 
sprochen wird, so können darüber nur Diejenigen ungehalten sein, 
welche es lieben, die Verdienste Anderer sich selbst anzurechnen. 

Sollten in der Darstellung Irrthümer sich eingeschlichen haben, 
so dürfen wir den überaus grossen Umfang des zu bewältigenden Mate- 
rials als Entschuldigung anführen. 

Es bedarf nicht besonderer Erwähnung, dass überall möglichst 
auf die Originalarbeiten zurückgegriffen und diese — nicht etwa ihre 
Uebersetzungen — als Quelle angegeben wurden. 



IV 



Der erste Abschnitt bespricht den mikrophotographischen Apparat; 
in dem zweiten lassen wir die für die Mikrophotographie verwendbaren 
Objektive und Okulare in ihrer Entwicklung aus den dürftigsten An- 
fängen bis zu den vortrefflichen Apochromaten an unserem geistigen 
Auge vorüberziehen. Fernere Abschnitte behandeln die Lichtarten, 
die Entwicklung der Beleuchtungsmethoden, die Fortschritte im Negativ- 
und Positiv- Verfahren und eine grössere Reihe anderer Dinge, die im 
Laufe der Jahre bedeutende Wandlungen durchmachten. 

An dieser Stelle sei Herrn Dr. Wilhelm Julius Behrens in Göt- 
tingen für die eifrige Förderung des Werkes und die grossen Dienste, 
welche er besonders bei Beschaffung der nothwendigen Literatur leistete, 
von Herzen Dank ausgesprochen. 

Berlin 1890. 



Dr. R. Neuhauss. 



INHALT. 



Erster Absc hnitt. 

Der mikrophotographischc Apparat. 

1. Geschichtliche Entwicklung der Apparate. 

Sonnenmikroskop S. 1. — Verfahren von Davy S. 1. — Photomikroskop 
von Mayer S. 2. — Apparat von Pohl und Weselsky S. 3. — Apparat 
von Ger lach S. 5. — Apparat von Möller S. 6. — Kleiner vertikaler Ap- 
parat von Neuhauss S. 7. — Apparat für schwache Vergrösserung von 
Gerlach S. 7. — Apparat von Harting S. 8. — Apparat von Möller und 
Emmerich S. 9. — Moitessier’s Apparat für kleine Bilder S. 10. — 
Kassette für acht Aufnahmen von Benecke S. 10. — Moitessier’s verti- 
kaler Apparat für direkte starke Vergrösserung S. 11. — Vertikales Mikro- 
skop und horizontale Kamera nach Moitessier S. 11. — Moitessier’s 
horizontaler Apparat S. 12. — Grosser Apparat von Be necke auf parallak- 
tischem Stativ S. 13. — Apparat von Fritsch S. 14. — Trichterförmiges 
Zwischenstück nach R. Koch S. 16. — Universalapparat von Fritsch S. 16. 

— Hooke’scher Schlüssel S. 17. — Verschiedene Arten der Einstellscheibe 
S. 19. — Lichtdichte Verbindung zwischen Kamera und Mikroskop S. 21. — 
Verlängerung der Mikrometerschraube nach Neuhauss S. 22. — Apparat von 
Klönne & Müller S. 23. — Gesonderte Aufstellung von Mikroskop und 
photographischer Kamera S. 23. — Mikroskopstativ für Mikrophotographie 
von Zeiss S. 24. — Grosser mikrophotographischer Apparat von Zeiss S. 26. 

— Kleiner Apparat von Zeiss S. 28. — Zimmerapparat von Woodward 
S. 29. — Apparat von Nach et S. 30. 

2. Allgemeine, bei Anschaffung eines mikrophotographischen 
Apparats massgebende Gesichtspunkte. 

Kostenpunkt S. 31. — Balgen -Länge und Weite S. 32. — Nebenlicht 
S. 32. — Trennung von Mikroskop und Kamera S. 33. — Visirscheibe und 
Verlängerung der Mikrometerschraube S. 33. — Mikroskopstativ S. 33. — 
Stellung der Tubus-Achse S. 34. — Weiter Tubus S. 34. — Gang der Mikro- 
meterschraube S. 34. — Tubuslänge S. 35. — Hilfsapparate: Schlitten- Objektiv- 
wechsler S. 35. — Beweglicher Objekttisch S. J36. — Markirapparat S. 37. 



3. Die Aufstellung des mikrophotographisehen Apparats. 

Aufstellung nach Zeiss S. 38. — Untere Geschosse der Häuser S. 38. 
Lage nach Süden S. 38. — Unterlagen von Filz S.' 39. — Transportabeles 
Arbeitshäuschen nach Benecke S. 39. 



VI 



Zweiter Abschnitt. 

Objekt ive un d Okulare. 

1. Allgemeines. 

Oeffnungs winkel und numerische Apertur S. 41. — Abbildungsvermögen 
der Objektive S. 43. — Tiefenzeichnung S. 43. — Begrenz ungsvermögen S. 44. — 
Sphärische und chromatische Abweichung S. 44. — Sekundäre Farbenabwei- 
chung S. 45. — Vollkommene Achromasie S. 45. — Versuche von Barlow, 
Abbe und Z enger S. 45. — Flussspath-Linsen S. 46. — Die Apochromate 
von Zeiss S. 47. 



2. Die Projektion des Bildes. 

Davy’s Verfahren S. 47. — Aufnahme mit Objektiv und Okular S. 48. — 
Bestimmte Tubuslänge S. 48. — Photographische Objektive von Wales, 
Gundlach, Seibert & Krafft und Zeiss S. 50. — Woodward’s Am- 
plifier S. 51. — Projektions-Okulare von Zeiss S. 51. — Projektions-Okular 
nach Neuhauss S. 53. — Aufnahme mit Objektiv, Okular und Landschafts- 
linse S. 55. 



3. Die Fokusdifferenz. 

Begriff derselben S. 55. — Verfahren von Berts ch und Harting S. 56. 

— Verfahren von Beichardt und Stürenburg S. 57. — Wenham’s 
Korrektionsmethode S. 58. — Verwendung von einfarbigem Licht S. 59. — 
Prisma von Brewster S. 59. — Prismen von Hartnack und Prazmowski 
S. 59. — Farbige Gläser S. 60. — Absorptionsküvetten S. 60. — Schuster- 
kugel S. 60. — Fehling’sche Lösung S. 61. — Kupferoxyd- Ammoniak- Filter 
S. 62. — Aesculin-Lösung S. 63. — Pikrin- Filter S. 63. — Zettn o w’sches 
Filter S. 63. — Hydrochinon - Filter S. 64. — Aufstellung der Absorptions- 
küvetten S. 64. — Sensitometer- Versuch von Neuhauss S. 65. — Einfluss 
der Lichtart S. 66. — Systeme ohne Fokusdifferenz S. 66. 

4. Die Vergrösserung. 

Steigerung der Vergrösserung mit Hilfe der Photographie S. 67. — Wahl 
der Vergrösserung S. 69. — Objektive für verschiedene Vergrösserungen S. 69. 

— Berechnung der Vergrösserung S. 70. — Durchmesser des Bildes auf der 
Platte S. 73. 



Dritter Abschnitt. 

Die Lichtquelle. 

1. Allgemeines. 

Einfluss der Wellenlänge S. 74. — Intensität, gleichmässige Helligkeit 
und Ruhe des Lichts S. 75. — Grösse der leuchtenden Fläche S. 76. 

2. Sonnenlicht. 

Wellenlänge S. 77. — Ultraviolettes Licht S. 78. — Intensität S. 78. — 
Wärmeentwicklung S. 78. — Wechselnde Helligkeit S. 79. — Spiegel und 
Heliostat S. 79. — Diffraktionssäume S. 81. — Unbeständigkeit des Sonnen- 
lichts S. 81. — Diffuses Tageslicht S. 81. 



VII 



3. Die künstlichen Lichtquellen. 

Einteilung derselben S. 82. — Elektrisches Bogenlicht S. 82. — An- 
ordnung nach Zeiss S. 83. — Elektrisches Glühlicht S. 84. — Werth des- 
selben S. 87. — Magnesiumlicht S. 87. — Ungleichmässige Helligkeit S. 87. — 
Kosten S. 88. — Magnesium - Pustlicht S. 88. — Blitzlicht S. 89. — Blende 
und matte Scheibe S. 90. — Gelbes Magnesiumlicht S. 90. — Magnesium- 
Talgkerzen S. 91. — Zink -Sauerstoff- Licht S. 91. — Aluminium-Sauerstoff- 
Licht S. 91. — Petroleumlicht S. 91. — Wahl und Aufstellung der Lampe 
S. 91. — Werth desselben S. 92. — Leuchtgas S. 93. — Drummond’sches 
Kalklicht S. 93. — Herstellung des Sauerstoffs und Wasserstoffs S. 94. — 
Spiritus und Aetherdämpfe S. 95. — Benzolin - Kalklicht S. 96. — Karboni- 
siren des Leuchtgases S. 96. — Magnesialicht S. 97. — Linnem ann’sche 
Brenner S. 97. — Zirkonlicht S. 97. — Auer ’s Gas-Glühlicht S. 98 — Ligroin- 
Glühlicht S. 99. — Phosphor- und bengalisches Licht S. 100. — Mängel aller 
künstlichen Lichtquellen S. 100. 



Vierter Abschnitt. 

Die Beleuchtung. 

1. Beleuchtung mit durehfallendem Licht. 

a. Allgemeines über den Strahlengang bei Anwendung von Planspiegel, 
Hohlspiegel und Sammellinse. Wirkung der Blenden. 

Oeffnung des einfallenden Lichtkegels S. 103. — Planspiegel und Hohl- 
spiegel S. 104. — Blenden S. 104. — Parallele Strahlen S. 105. — Wirkung 
der Sammellinsen S. 106. — Das Condensiren des Lichts S. 106. — Objekt 
im Brennpunkt der Linse S. 107. — Schiefe Beleuchtung S. 108. — Mikro- 
skopirlampen S. 108. 

b. Einfluss der Breite des Beleuchtungskegels auf das Bild. 

Kleine Aperturen S. 109. — Bei gefärbten Präparaten grosse Aperturen 
S. 110. — Beste Abbildung der Geisselfäden S. 110. — Tiefenzeichnung und 
ebenes Gesichtsfeld S. 110. — Diffraktionssäume S. 111. 

c. Entwicklung der Beleuchtungsapparate. 

Kondensoren von Bonannus und Hartsöker, Wollaston und 
Brewster S. 112. — Dujardin’s Kondensor S. 112. — Einrichtungen von 
Amici und Ross S. 112. — Beleuchtung mit Mikroskopobjektiven S. 113. — 
Achromatischer Kondensor von Powell & Lealand S. 113. — Abbe’scher 
Beleuchtungsapparat S. 113. — Achromatischer Kondensor von Zeiss S. 115. 
— Genaue Centrirung S. 116. — Iris-Blende S. 116. 

d. Geschichtliches über die Beleuchtung der Objekte bei mikrophotographischen 

Aufnahmen. 

Falsche Vorstellungen über Beleuchtung S. 117. — Beleuchtung bei den 
alten Sonnenmikroskopen S. 118. — Gerlach’s Beleuchtung S. 118. — Ver- 
fahren von Moitessier S. 119. — Projektion des Bildes der Lichtquelle in 
das Objekt S. 119. — Benecke’s Verdienste S. 120. — Reichardt und 
Stürenburg’s Ansichten S. 122. — Verfahren von Fritsch und Koch 
S. 122. — Jeserich’s Beleuchtung S. 123. — Zeiss’ Special-Katalog S. 124. 

e. Specielles Verfahren bei Beleuchtung der Objekte. 

Genaue Centrirung S. 125. — Beleuchtung bei ganz schwachen Objek- 
tiven S. 125. — Schutz vor Oberlicht S. 126. — Projektion des Bildes der 



VIII 



Lichtquelle in die Objektebene S. 126. — Die matte Scheibe S. 127. — Be- 
leuchtung mit grosser Sammellinse S. 128. — Schusterkugel S. 129. — Grosse 
Sammellinse und Kondensor S. 129. — Breite Lichtkegel S. 131. — Beleuch- 
tung bei Diatomeen- Aufnahmen S. 131. — Verfahren bei Aufnahme von Pleuro- 
sigma angulatum S. 132. — Aufnahme von Amphipleura pellucida S. 133. — 
Diffraktionssäume S. 135. 

2. Beleuchtung mit auffallendem Licht. 

Glühlampe S. 136. — Verfahren von Moitessier S. 136. — Vorrichtung 
von Nachet S. 137. — Lieberküh n ’scher Spiegel S. 137. — Beleuchtung 
durch totale Beflexion S. 137. — Wenham’s Methode S. 137. — Dunkelfeld- 
beleuchtung S. 138. — Nachet’s eclairage ä fond noir S. 138. — Photogra- 
phien der Anlauffarben von Eisenflächen S. 139. 



Fünfter Abschnitt. 

Vorrichtungen für besondere Zwecke. 

1. Aufnahme von Objekten, die in flüssigen Medien eingebettet sind. 

Vertikale Apparate S. 141. — Apparate von Stegemann, Israel und 
St engl ein S. 142. 

2. Apparat zum Photographiren embryonaler Schnittreihen. 

Grosses Gesichtsfeld S. 143. — Landschafts - Objektiv S. 143. — Grobe 
und feine Einstellung S. 144. — Eastman’s Bromsilberpapier S. 144. 

3. Vorrichtungen zu Augenblicks- Aufnahmen. 

Apparat von Bertsch S. 145. — Momentverschluss von Ben ecke und 
Moitessier S. 145. — Verfahren von Stenglein S. 146. — Apparate von 
Bourm an ns, Nachet, Marktanner-Turner et scher S. 146. — Serien- 
Aufnahmen S. 148. — Vorschlag von Errera S. 148. — Apparat von Ca- 
pranica S. 148. — Drehbare Platte S. 149. — Stirn’scher Momentverschluss 
S. 149. — Bollkassette S. 149. — Serien-Moment-Apparat S. 150. — Schutz 
vor Erschütterungen S. 151. — Schnelle Auslösung S. 151. 

4. Aufnahmen mit polarisirtem Lieht. 

Prismen S. 152. — Polarisator und Analysator S. 152. — Geschichtliches 
über Herstellung derartiger Bilder S. 153. — Bedeutung des polarisirten Lichts 

S. 154. — Besondere Stative bei mineralogischen Arbeiten S. 154. 

5. Spektroskopische Aufnahmen. 

O 

Spektral-Apparat S. 155. — Geradsichtsprisma S. 155. — Angström’sche 
Skala S. 155. — Projektions-Okular S. 156. — Vergleich verschiedener Spektren 
S. 157. — Sonnenlicht erforderlich S. 157. — Auswahl der lichtempfindlichen 
Platten S. 157. — Spektropolarisator S. 158. 

6. Stereoskopische Aufnahmen. 

Mikroskop von Cherubin S. 158. — Verfahren von Wheatstone 
S. 159. — Halbe Blendung S. 159. — Verfahren von Moitessier und 
Fritsch S. 159. — Theilung des Lichtkegels durch Prismen S. 160. — An- 
ordnung der Prismen nach Biddell S. 160, nach Nachet S. 161. — Stereo- 
skopisches Okular nach Abbe S. 163. — Stereoskopische Wippe nach v. Babo 



IX 



S. 164. — Moitessier’s Wippe S. 164. — Wippe nach Fritsch S. 167. — 
Methode der Verschiebung des Objekts S. 169. — v. Babo’s Verfahren S. 169. 
— Stereoskopische Mikrophotogramme S. 170. 



Sechster Abschnitt. 

Das negative Bild. 

Die Kassette S. 171. — Schrägstellung derselben S. 172. 

1. Geschichtliches. 

Verfahren von Daguerre S. 173. — Verbesserung desselben durch 
Fizeau S. 173. — Papier -Negativ von Fox Talbot S. 173. — Eiweiss- 
Negative von Niepce de St. Victor S. 174. — Kollodium-Negative S. 174. — 
Kollodium- Trockenplatten S. 174. — Bromsilbergelatine-Trockenplatten S. 175. 

— Orthochromatische Platten S. 176. — Erythrosin-Platten S. 177. — Platten 
von Per utz, von Schippang & Wehenkel S. 178. — Badeplatten S. 178. — 
Eastman’s Negativ-Papier S. 180. — Gelatinehäutchen von Perutz S. 181. 

— Celluloid-Films S. 181. 

2. Die Belichtung. 

Kontrolle der besten Einstellung S. 181. — Vorsicht beim Einsetzen der 
Kassette S. 182. — Verdunklung des Gesichtsfeldes S. 182. — Erschütterungen 
S. 183. — Verziehen des Mikroskops S. 183. — Ablagern des Apparats S. 184. 

— Gleichmässige Temperatur S. 185. — Belichtungszeit S. 185. — Abhängig- 
keit derselben von der Empfindlichkeit der Platten S. 185, von der Art der 
Lichtquelle S. 185, von der Breite des beleuchtenden Lichtkegels S. 186, von 
der Korrektion der Objektive S. 186, von der Beschaffenheit der Präparate 
S. 186. — Beurtheilung der Helligkeit des Bildes auf der matten Scheibe 
S. 187. — Verfahren nach Benecke S. 187, nach Zeiss S. 188. — Moi- 
tessier’s Ansicht über Wirkung blauer Absorptionsflüssigkeiten S. 188. — 
Längere Belichtung bei der Aufnahme opaker Objekte, bei stereoskopischen 
Aufnahmen und Verwendung von Polarisationsapparaten S. 188. — Momen- 
tane Belichtung S. 189. — Tabelle der Belichtungszeiten bei Sonnen- und 
Petroleumlicht S. 190. 



3. Die Entwicklung. 

Entwickeln durch Fach-Photographen S. 191. — Dunkelkammer S. 191. — 
Auswahl der rothen Gläser S. 192. — Verschiedene Entwickler S. 193. — 
Pyrogallus-Soda-Entwickler S. 194. — Behandlung von über- und unterexpo- 
nirten Platten S. 196. — Alauniren und Fixiren S. 197. — Auswässern und 
Lackiren S. 197. — Verstärkung S. 198. — Abschwächung S. 199. — Ent- 
wicklung von Eastman’s Negativ-Papier S. 200. 

4. Die Beurtheilung des Negativs. 

Staubpartikel S. 201. — Grobes Korn S. 201. — Unscharfe Bandzone 

S. 201. — Unscharfe Umrisse S. 201. — Ungleiche Dichtigkeit S. 202. — 
Schleier S. 203. — Hartes Bild S. 205. — Dickes Bild S. 205. — Diflrak- 
tionssäume S. 205. 

5. Die Negativ -Retusche. 

Begriff der Retusche S. 206. — Bleistift und Tuschpinsel S. 207. — 
Abdecken des Gesichtsfeldes bei Diatomeen - Aufnahmen S. 207. 



X 



6. Die Vergrösserung des Negativs. 

Verwendbarkeit der Negativvergrösserung S. 208. — Feines Korn des 
Originalnegativs S. 209. — Vergrösserungsverfahren S. 209. — Chlorsilber- 
gelatine-Platten S. 210. — Duplikatnegative S. 210. 



Siebenter Abschnitt. 

Das positive Bild. 

1. Die Kopie auf Papier. 

Gesilbertes Albuminpapier S. 212. — Haltbare Papiere S. 213. — Chlor- 
silberkollodium-Papier S. 213. — Chlorsilbergelatine-Papier S. 213. — Kopiren 
S. 214. — Waschen S. 215. — Tonen S. 215. — Fixiren S. 216. — Gerben 
S. 217. — Tonfixirbad S. 217. — Aufquetschen S. 217. — Aufziehen S. 218. 
— Heisssatiniren S. 218. — Chlorsilbercello'idin-Papiere S. 219. — Bromsilber- 
papier S. 220. 

2. Die Kopie auf Glas. 

Vorzüge des Diapositivs S. 220. — Gewöhnliche Bromsilberplatte S. 221. — 
Klärbad S. 221. — Chlorsilbergelatine- Platten S. 221. — Schutz der empfind- 
lichen Bildschicht S. 222. — Matte Scheiben S. 222. 

3. Der Lichtdruck. 

Nachtheile der direkt kopirten Abzüge S. 222. — Geschichtliches über 
den Lichtdruck S. 223. — Galvanos nach Daguerreotypien S. 223. — Stahl- 
druck S. 223. — Photolithographie nach Barreswil S. 223. — Verfahren 
von Talbot S. 223. — Gegenwärtig geübte Lichtdruckmethoden S. 223. — 
Autotypie S. 223. — Nachtheile derselben S. 223. — Proben von Riffarth 
S. 225. — Aufnahmen von Prof. Kitt S. 257. — Kosten der Zink - Klischees 
S. 227. — Kupferlichtdruck S. 228. — Lichtsteindruck S. 229. — Albertypie 
S. 229. — Obernetter’s Glanzlichtdrucke S. 230. — Abziehbare Trocken- 
platten S. 230. — Positiv-Retusche S. 231. 



Achter Abschnitt. 

1. Die Präparate. 

Nothwendigkeit des Deckgläschens S. 233. — Dicke der Objekte S. 233. 
— Capranica’s Vorschlag S. 233. — Objektträger und Deckglas S. 234. — 
Einbettende Medien S. 234. — Trockene Einbettung S. 235. — Am Deckglase 
festgeschmolzene Kieselschalen S. 235. — Färbung S. 236. — Bewegliche Ob- 
jekte S. 236. — Spektroskopische Untersuchung der Farblösungen S. 237. — 
Käufliche Präparate S. 238. 

2. Die Bedeutung der Mikrophotographie. 

Koch’s Arbeiten S. 240. — Einführung der Trockenplatten S. 241. — 
Objektivität des Mikrophotogramms S. 242. — Leistungsfähigkeit der Mikro- 
photographie S. 243. — Ultraviolette Strahlen S. 243. — Blendung des Auges 
S. 243. — Die Platte ermüdet nicht und nimmt die feinsten Helligkeitsunter- 
schiede wahr S. 244. — Addition der Lichteindrücke S. 244. — Verstärkung 
der Helligkeitsunterschiede im Negativ und Diapositiv S. 244. — Vergleich- 
barkeit der Aufnahmen S. 245. — Werth für die Gerichtspraxis S. 246. — 
Werth guter Bakterienphotogramme S. 246. 



XI 



3. Mikrophotogramme. 

Aufnahmen von Donne S. 247. — Atlas von Donne und Foucault 
S. 247. — Carpenter’s Bilder S. 247. — Aufnahmen von Mayer, Nachet, 
Hodgson, Shadbolt, Kingsley, Huxley, Wen harn, Pohl, Weselsky 
und Bertsch S. 248. — Atlas von Hessling und Kollmann S. 248. — 
Album von He eg er S. 248. — Tafeln in Gerlach’s Lehrbuch S. 248. — 
Helwig’s Aufnahmen S. 249. — Tafeln in Moitessier’s Lehrbuch S. 249. 

— Benecke’s Photogramme S. 250. — Tafeln im Lehrbuch von Reichardt 
und Stürenburg S. 250. — Aufnahmen von Fritsch und Otto Müller 
S. 250. — Stereoskopen- Bilder von G. Fritsch S. 251. — Koch’s Aufnahmen 
S. 251. — Photogramme von A. de Bary, Kupffer und Be necke, C. 
Günther, Letzerich, Zürn und Stein S. 252. — Arbeiten von J. Grimm 
in Offenburg S. 253. — Tafeln in Stein’s Lehrbuch S. 253. — Atlas der 
Pflanzenkrankheiten von Zimmermann S. 254. — Israel’s Aufnahmen 
S. 254. — Amphipleura pellucida von Woodward und van Heurck S. 254. 

— Aufnahmen von Troup, E. vanErmengem, Koch und Plagge S. 255. 

— Stenglein’s Mikrophotogramme S. 255. — Tafeln in dem Lehrbuch von 
Stenglein S. 255. — Photogramme im Special- Katalog von Z eiss S. 255. — 
Tafeln in dem Lehrbuch von Jeserich S. 256. — Aufnahmen von Prof. 
Kitt, Dr. Günther und Grookshank S. 256. — Diatomeen-Photogramme 
von A. Truan S. 257. — Atlanten von N. J. C. Müller und von M. Hauer 
S. 257. — Aufnahmen von Bur stert und Fürstenberg S. 257. — Mikro- 
photographischer Atlas der Bakterienkunde von Fraenkel und Pfeiffer 
S. 257. — Prof. Löffier’s Aufnahmen S. 258. — Photogramme von Dr. R. 
Neuhauss S. 259. — Die nicht veröffentlichten Mikrophotogramme S. 260. 

Nachtrag (Aufnahmen mit Blitzlicht) S. 261. 

Erklärung der Tafeln S. 265. 



ERSTER ABSCHNITT. 



Der mikrophotographische Apparat. 



1. Geschichtliche Entwicklung der Apparate. 

Kaum war in der denkwürdigen Sitzung der Akademie zu Paris 
am 19. August 1839 das DAGUERRE’sche Verfahren zur Herstellung 
von Lichtbildern veröffentlicht worden, als auch schon die Versuche 
begannen, die neue Entdeckung für den Mikroskopiker nutzbar zu 
machen. Zuerst bediente man sich zur Anfertigung von Mikrophoto- 
grammen des Sonnenmikroskops: Das Bild eines mit Sonnenlicht be- 
leuchteten Objekts wurde durch das Objektivsystem auf eine in grösserer 
oder geringerer Entfernung befindliche weisse Wand geworfen und nun- 
mehr vermittelst eines gewöhnlichen photographischen Apparats meist 
in einem wieder etwas verkleinerten Massstabe aufgenommen. Mitunter 
setzte man auch an Stelle der weissen Wand unmittelbar die licht- 
empfindliche Platte ; dann musste natürlich das ganze Zimmer, in wel- 
chem die Aufnahme stattfand, sorgfältig verdunkelt werden; nur das 
Objekt erhielt durch einen schmalen Spalt in den Fensterladen das zur 
Beleuchtung nothwendige Licht. 

Schon im Jahre 1840 konnte Al. Donne zu Paris der Akademie 
der Wissenschaften verschiedene, auf die soeben beschriebene Weise 
hergestellte Abbildungen mikroskopischer Objekte vorlegen. 

Es darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass Davy bereits in den 
ersten Jahren dieses Jahrhunderts, also mehr als ein Menschenalter vor 
Daguerre, nach einem ganz ähnlichen Verfahren Lichtbilder mikro- 
skopischer Objekte fertigte, indem er das durch ein Sonnenmikroskop er- 
zeugte Bild auf Papier fallen liess, welches mit Silberlösung bestrichen war* 

Neuhauss. 1 



2 



Die vom Lichte getroffenen Theile dieses Papiers werden dunkel und es 
entsteht ein Bild. Aber durch kein Mittel der Welt konnte Davy dies Bild 
vor der nachfolgenden Einwirkung des zerstreuten Tageslichts, also vor 
völlig gleichmässigem Nachdunkeln der ganzen Papierfläche, schlitzen. 

Die Bestrebungen der Mikrophotographen richteten sich frühzeitig 
darauf, das verdunkelte Zimmer und den Hilfsapparat mit dem gewöhn- 
lichen photographischen 
Objektiv entbehrlich zu 
machen. In bester Weise 
wurde dies erreicht durch 
das vom Apotheker Mayer 
in Frankfurt a. M. im Jahre 
1844 erbaute Photomikro- 
skop (Figur 1): Auf schwe- 
rer, eiserner Platte ist der 
Fuss m mit Klemmschrau- 
ben befestigt ; zur Beleuch- 
tung dient der unter dem 
Objekttisch angebrachte 
Spiegel. Ein neben dem 
Mikroskop in die Eisen- 
platte eingeschraubter 
Stab trägt einen eisernen 
Arm, welcher sich durch 
Zahn und Trieb auf- und 
abbewegen lässt. Die von 
diesem Gerüst unterstützte 
Kamera steht durch einen 
Metallring mit dem Tubus 
in lichtdichter Verbindung. 
Um Nebenlicht abzuhalten, 
wird die V erbindungssteile 
ausserdem mit lichtdichtem 
Stoff umwickelt. Zur Fixi- 
rung der Kamera in bestimmter Höhe dient die Schraube b. Das Ob- 
jektiv entwirft ein Bild des aufzunehmenden Gegenstandes auf der matten 
Scheibe or, welch letztere bei der Aufnahme durch die in einer Kas- 
sette befindliche, lichtempfindliche Platte ersetzt wird. Das Bild fällt 
um so grösser aus, je weiter die Scheibe or von dem Objekt entfernt 
ist. Scharfe Einstellung geschieht vermittelst der Mikrometerschraube n. 




1 . 



3 



Mayer hat über seinen vortrefflichen Apparat nichts veröffenlicht. 
Wie leistungsfähig derselbe war, beweisen zwei von ihm hergestellte 
Mikrophotogramme (Plenrosigma angulatum und attenuatum), die Stein 
in seinem Werke ,Das Licht’ 1 wiedergiebt. 

In etwas anderer Weise als Mayer suchten Pohl und Weselsky 
in Wien zum Ziele zu gelangen. Im Jahre 1852 benutzten sie das 
gewöhnliche, zusammengesetzte Mikroskop, ohne Entfernung des Oku- 
lars, unter Zuhilfenahme eines einfachen Holzkästchens zum Photogra- 
phiren 2 . Jedes grosse oder kleine zusammengesetzte Mikroskop ist 
hierfür brauchbar. Ein über das Okular aufgesetztes, rechtwinkliges, 
total reflektirendes Prisma steht durch einen leicht zu entfernenden, licht- 
dichten Aermel mit 
einer kleinen, höl- 
zernen Kamera in 
Verbindung und 
leitet die vom Ob- 
jektiv kommenden 
Strahlen in die- 
selbe (Figur 2). 

Die Kamera ruht 
auf solidem Holz- 
gestell oder besser 
auf eisernem Guy- 
TON’schen Träger, 
um in der Höhe 
verstellbar zu sein. 

Pohl und Wesel- 
sky legen Gewicht 

auf besonders feinen Schliff der matten Scheibe. Nöthigenfalls müsse man 
die Scheibe einölen, um die feine Einstellung des Bildes zu erleichtern. 
Die horizontale Stellung der Kamera ist hauptsächlich deshalb gewählt, 
damit sich nicht, wie es bei vertikaler Lage leicht geschehen kann, auf 
der Mitte der lichtempfindlichen nassen Platte ein Tropfen ansammelt, 
der einerseits die Schönheit des Negativs beeinträchtigt, andererseits 
bei zufällig erfolgendem Herabfallen das Mikroskop verunreinigt. 

*) Stein, .S Th., Das Licht. 2. Heft: Das Mikroskop und die mikro- 
graphische Technik. Halle 1884, Knapp. 

2 ) Repertorium der Photographie. 4. Aufl. S. 28 u. 367. Wien 1854. — 
Sitzungsber. d. mathem.-naturw. Klasse d. kaiserl. Akademie der Wissensch. 
zu Wien. Bd. XXIII, 1857, S. 317. 




1 * 



4 



Die horizontale Anordnung ist ein entschiedener Fortschritt gegen 
die vertikale Mayer’s; allerdings wird dieser Vorth eil in vorliegendem 
Falle durch ein Hilfsmittel von höchst zweifelhaftem Werthe — durch 
das Prisma — erkauft. Denn abgesehen davon, dass durch dies Prisma 
sowohl in Folge von Reflexion an der Oberfläche als auch von Ab- 
sorption im Innern Licht verloren geht, wird durch dasselbe ungemein 
leicht eine Verzeichnung einzelner Theile des Bildes herbeigeführt, da 
bekanntlich das Schleifen ganz ebener Prismenflächen erhebliche Schwie- 
rigkeiten bereitet. 

Anerkennenswerth ist bei dem PoHL’schen Apparat auch die lockere 
Verbindung zwischen Tubus und Kamera. Die beim Oeffnen des Kas- 
settenschiebers unvermeidliche Erschütterung der Kamera wird bei dieser 
Anordnung nicht auf das Mikroskop übertragen. 

Als Merkwürdigkeit sei angeführt, dass Pohl räth, die Kamera 
inwendig blau anzustreichen, „um Licht zu gewinnen”. Das zeugt aller- 
dings von einer staunenswerthen Unkenntnis aller in Frage kommenden 
optischen Gesetze. Jeder Lichtstrahl, der einmal mit der Kamerawand 
in Berührung kam, ist für die Bilderzeugung verloren und kann nur 
durch Erzeugung von diffusem Licht zur Verschleierung der Negativ- 
Platte beitragen. 

Gerlach, welcher in Deutschland als der eigentliche Vater der 
Mikrophotographie gilt, weil er das erste Lehrbuch verfasste, be- 
schreibt seinen Apparat (Figur 3) in dem 1863 erschienenen Werke 1 
folgendermassen : Besitzt das zu mikrophotographischen Arbeiten ver- 
wendete Mikroskop einen Auszug zur Verlängerung des Rohres, so 
thut man gut, das obere Ansatzrohr ganz abzuschrauben. — An 
dem nunmehr obersten Ende des Tubus ist ein Metallring i 9 welcher 
aussen ein Schraubengewinde trägt , angelöthet. An diesem Ringe 
lässt sich der photographische Aufsatz fest anschrauben. Letzterer 
besteht aus einem hölzernen Rohre g und einem viereckigen, gleich- 
falls aus Holz konstruirten Kasten d , der an seinem oberen Ende 
mit einer Vorrichtung versehen ist, welche gestattet, die lichtempfind- 
liche Platte ohne Zutritt von Tageslicht einzusetzen. Von der Länge 
des Rohrs g hängt die Vergrösserung ab, weshalb man mehrere Rohre 
von verschiedener Länge vorräthig halten muss. Die Visirscheibe b 
besteht aus einem Holzrahmen, welcher durch zwei Gelenke an der 
einen Wand des Kastens befestigt wird; derselbe kann demnach auf- 



*) Gerlach, Die Photographie als Hilfsmittel mikroskopischer Forschung. 
Leipzig 1863, Engelmann. 



5 



und zugeklappt werden; ersteres geschieht bei dem Einsetzen der Kas- 
sette, letzteres vor dem Einstellen. Gerlach ersetzt die sonst übliche 
matte Scheibe durch dünnes Pauspapier, welches er auf dem Rande 
des Holzrahmens festklebt. Um ein Herabgleiten des durch die Kamera 
beschwerten Tubus in der federnden Hülse m zu vermeiden, ist um letz- 
tere ein mittelst der Klemmschraube k 
zu verengernder Metallring l gelegt. 

Das beim Einstellen störende Seiten- 
licht hält ein auf den Einstellrahmen 
gesetzter, abgestumpfter Hohlkegel a 
aus Buchenholz ab. 

Gerlach’s Konstruktion bezeichnet 
keineswegs einen Fortschritt gegen die- 
jenige des Apothekers Mayer. Die Be- 
lastung des Tubus durch einen so mas- 
siven Aufbau bleibt stets eine missliche 
Sache, denn das Gewicht drückt die 
Feder der Mikrometerschraube zusam- 
men. Dieser Uebelstand muss sich um 
so nachtheiliger bemerkbar machen, 
als nach vollzogener feinster Einstel- 
lung das Gewicht der Kamera durch 
Einsetzen der Kassette vermehrt wird. 

Unbegreiflich ist, dass Gerlach den 
zur Einstellung dienenden, mit Paus- 
papier beklebten Holzrahmen durch Ge- 
lenke fest mit der Kamera verbindet. 

Liesse sich derselbe abnehmen, so wäre 
der Gewichtsunterschied zwischen der 
zur Einstellung und zur Belichtung her- 
gerichteten Kamera weniger bedeutend. 

Durch Auf klappen des Holzrahmens 
wird der Tubus überdies auf einer Seite 
stärker belastet. 

Diese Uebelstände mögen Gerlach belehrt haben, dass sich mit 
seinem Apparat nicht viel anfangen lässt. Er kehrte deshalb später 
zu der Anordnung von Mayer zurück und befestigte eine mit beliebig 
zu verlängerndem Balg versehene Kamera an solidem Stativ. 

In der Folgezeit griffen verschiedene Autoren auf das ursprüng- 
liche GERLACH’sche Modell zurück. 




6 



Noch in neuester Zeit wurde eine derartige Vorrichtung von Dr. 
H. Möller in Greifswald 1 empfohlen ; doch ist auch bei diesem Apparat 
der auf dem Tubus lastende Druck ein zu grosser, da die Kamera mit 
gefüllter Kassette 575 g wiegt (Figur 4). 

Es ist in der That für den Mikroskopiker sehr wüns chens werth, 
einen kleinen, recht einfachen Apparat zur Hand zu haben, der wenig 

kostet und ohne grosse 
Vorbereitungen die 
Aufnahme eines mi- 
kroskopischen Präpa- 
rates gestattet. Man- 
cher Forscher steht 
nur deshalb davon 
ab , die Mikrophoto- 
graphie zu erlernen, 
weil er einerseits kei- 
nen Platz hat, einen 
grossen Apparat auf- 
zustellen , anderer- 
seits den Geldaufwand 
fürchtet, welchen die 
Anschaffung kompli- 
cirter Vorrichtungen 
erheischt. Man kann 
nun die ohne beson- 
dere Stütze auf den 
Tubus zu setzende 
Kamera mit grossem 
Vortheil verwenden, 
wofern sie nur die 
4 # nöthige Leichtigkeit 

hat und ohne irgend- 
welche Umstände anzubringen und wieder zu entfernen ist. Beiden 
Anforderungen genügt ein kleiner vom Verfasser angegebener Apparat: 
Nach Herausnahme des Okulars wird oben auf den Tubus T (Figur 5) 
eine letzteren eng umschliessende , 2 cm lange Papphülse a gesteckt, 
welche eine runde Pappscheibe b von 7 */2 cm Durchmesser trägt. 



*) Zeitschrift f. wissensch. Mikroskopie u. f. mikrosk. Technik. Bd. V, 

1888, S. 155. 




7 



Sowohl am äusseren Rande dieser Scheibe, als auch 1 cm centralwärts 
erheben sich zwei einen Centimeter hohe Ränder c und d. Der zwischen 
diesen Rändern befindliche Raum dient zur Aufnahme eines 25 cm 
langen, 7 cm weiten, dünnen Papprohrs e, welches an seinem oberen 
Ende mit einem hölzernen, zur Aufnahme der Kassette bestimmten 
Rahmen f verbunden ist. Die Kassette ist ebenfalls aus leichtestem 
Holze hergestellt und fasst eine Platte von 5X5 cm. Besondere Sorg- 
falt wurde auf den Kassettenschieber g verwendet: derselbe muss sich 
mit grösster Leichtigkeit ein- und ausschieben lassen und dabei doch 
völlig lichtdicht schliessen. Die Visirscheibe, welche nach vollbrachter 
Einstellung herausgenommen und durch die Kassette ersetzt wird, ist 
derart beschwert, dass sie genau so viel wiegt, wie die mit einer Platte 
geladene Kassette; anderenfalls würde die Feder 
der Mikro meters ehr aube bei der Einstellung anders 
belastet sein, als bei der Belichtung. Die Kamera 
wiegt mit gefüllter Kassette nicht über 100 gr. 

Die lose und doch völlig lichtdichte Verbindung des 
Papprohrs e mit der Pappscheibe b erleichtert das 
Arbeiten ungemein. Grosse Bilder sind hiermit frei- 
lich nicht zu erzielen, doch ist der Vorth eil nicht 
zu unterschätzen, dass man ohne Vorbereitungen 
beim Mikroskopiren sofort Aufnahmen machen kann. 

Kehren wir zu Gerlach zurück. Für Aufnahme 
grösserer Objekte in zwei bis zehnmaliger Vergrösse- 
rung gab derselbe einen besonderen Apparat 1 an : 

Das Präparat liegt auf einem kleinen, in der Mitte 
durchbohrten Tisch und wird von unten mittelst des Spiegels er- 
leuchtet. Auf dem Tisch sind rechts und links vom Präparat senk- 
recht zur Tischplatte zwei Holzleisten angebracht, welche eine ge- 
wöhnliche, mit langem Auszug versehene photographische Kamera, 
deren Objektivbrett nach unten gerichtet ist, zwischen sich fassen. 
Die Kamera kann in grösserer oder geringerer Entfernung vom Objekt 
befestigt werden. Zur Aufnahme dient hierbei ein gewöhnliches 
photographisches Objektiv. 

Den wichtigsten, dem ursprünglichen GERLACH’schen Modell 
(Figur 3) anhaftenden Fehler suchten verschiedene Autoren, so wie 
es, wie bereits bemerkt, späterhin Gerlach selbst that, dadurch zu 
beseitigen, dass sie die Kamera durch einen besonderen Untersatz 




l ) A. a. 0. S. 35. 



8 



stützten. Harting 1 bringt daher ein vierbeiniges, festes Gestell an 
(Figur 6). Als eine sehr beachtenswerthe Verbesserung an diesem 
Apparat erwähnen wir ferner den Aermel von schwarzem Gummi, 
welcher den Mikroskoptubus mit der Kamera verbindet. Harting 
erkannte richtig, dass die feste Verbindung beider Theile für den 
Mikrophotographen nicht nur weit umständlicher ist, sondern auch das 
Gelingen eines guten Negativs in Frage stellt, da die unvermeidliche 




Erschütterung der Kamera besonders bei Arbeiten mit starken Objek- 
tiven die scharfe Einstellung aufs Unangenehmste beeinträchtigt. 

Bei dieser Gelegenheit möge ein Irrthum erörtert werden, der 
sich bis in die neueste Zeit hinein in einer grossen Anzahl von 
Schriften findet. Jeder, der einen aufrechtstehenden Apparat empfiehlt, 
bei dem Mikroskop und Kamera fest mit einander verbunden sind, 



*) Harting, Das Mikroskop. Bd. II. S. 289. Braunschweig 1866, Vie- 
weg & Sohn. 



9 



rühmt als besonderen Vorzug dieser Anordnung, dass Erschütterungen, 
denen der Apparat während der Belichtung der Platte ausgesetzt 
ist, nicht nachtheilig wirken, da Kamera und Platte dieselben^Be- 
wegungen machen, wie Mikroskop und Objekt. Hätte einer der 
Herren sich der Mühe unterzogen, diese Behauptung auf ihre Richtig- 
keit zu prüfen, so wäre 
manche Platte und man- 
che kostbare Stunde nicht 
unnöthig vergeudet wor- 
den. Der Versuch ist 
ein überaus einfacher: 

Man macht sich auf der 
Einstellscheibe eines der- 
artig hergerichteten Ap- 
parats irgend ein Merk- 
zeichen (am zweckmäs- 
sigsten mit Feder und 
Tinte) und beobachtet 
nach genauster Einstel- 
lung mit der Lupe den 
Punkt des Bildes, wel- 
cher mit diesem Merk- 
zeichen zusammenfällt. 

Wird nun durch einen 
vorüberfahrenden Wa- 
gen, oder durch einen 
Menschen , welcher im 
Zimmer auf- und abgeht, 
der Apparat erschüttert, 
so sieht man, dass der 
beobachtete Bildpunkt 
seine Lage gegen das an- 
gebrachte Merkzeichen 
unaufhörlich wechselt. 

Die Schwingungen des Objekts sind also ganz andere, als diejenigen 
der Einstellscheibe. — 

Ausser Harting empfahlen noch viele Andere, die Kamera durch 
ein besonderes Gestell zu stützen. Da es nun völlig gleichgiltig ist, 
ob diese Stütze 1, 2, 3 oder 4 Füsse hat, so brauchen wir auf die 
einzelnen Konstruktionen nicht genauer einzugehen. Erwähnung ver- 




10 



dient der Apparat von Möller und Emmerich in Giessen 1 . Das ganze 
Instrument ruht zwischen zwei Säulen und ist um eine horizontale 
Achse drehbar (Figur 7). Der Apparat kann daher sowohl in hori- 
zontale, wie in vertikale Stellung gebracht werden. Eine derartige 
Anordnung wurde in späterer Zeit zu wiederholten Malen neu erfunden. 

Das im Jahre 1866 zu Paris herausgegeben, epochemachende 
Werk von Dr. A. Moitessier: ,La photographie appliquee aux 

recherches micrographiques’, welches zwei Jahre später in deutscher 
Bearbeitung von Benecke 2 erschien, brachte auch in Bezug auf den 
Apparat manches Neue. Moitessier’s Apparat für kleine Bilder be- 
steht nur aus einer kleinen Kassette, welche mit der lichtempfindlichen 
Platte an Stelle des Okulars ohne Stütze auf dem Mikroskoprohr be- 
festigt wird. Um mehrere Aufnahmen schnell hintereinander fertigen 
zu können, richtete Moitessier die Kassette für eine grössere Platte 
ein und traf Vorkehrungen, dass 6 Aufnahmen auf dieser Platte ge- 
schehen konnten. In diesem Falle musste die Kassette jedoch wegen 
ihres erheblichen Gewichtes durch ein Gestell gestützt werden 
(Moitessier; S. 111 u. 122). Benecke konnte es sich nicht ver- 
sagen, die Sache noch komplicirter zu machen: er konstruirte eine 
solche Kassette für 8 Aufnahmen (Benecke; S. 55). 

Die auf diese Weise erzielten Bilder sind jedoch so winzig klein, 
dass sie eine mit Mühen und Kosten verbundene nachträgliche Ver- 
grösserung nöthig machen. Hierdurch werden die Vortheile auf- 
gehoben, welche darauf beruhen, dass man das vom Objektiv erzeugte 
Bild an genau derselben Stelle entstehen lässt, wo es für die ge- 
wöhnliche Okularbeobachtung zu Stande kommt. Man hat dies Ver- 
fahren gegenwärtig so gut wie gänzlich verlassen; nur van Heurck 
in Antwerpen bedient sich noch desselben. 

Der soeben beschriebene kleine Apparat von Moitessier, bei 
dem natürlich das Mikroskop in gewöhnlicher vertikaler Stellung ver- 
bleibt, hat ausser dem unter dem Objekttisch angebrachten Kondensor 
und Spiegel einen sogenannten Schlitten für die Aufnahme verschiedener 
zur Beleuchtung dienender Vorrichtungen (matte Scheibe, Sammellinse, 
Küvette etc.). Dieser horizontal auf einer runden Holzscheibe, welche 
auch das Mikroskop trägt, angebrachte Schlitten besteht aus zwei 
fest mit einander verbundenen Schienen, zwischen welchen sich die 

b Dippel, L., Das Mikroskop und seine Anwendung. 1. Auflage; Bd. I, 
S. 211. Braunschweig. Vieweg & Sohn. 

2 ) Benecke, B., Die Photographie als Hilfsmittel mikroskopischer For- 
schung. Braunschweig, Vieweg & Sohn. 



11 



genannten Gegenstände hin- und herbewegen lassen. Er bildet einen 
unerlässlichen Bestandtheil aller besseren mikrophotographischen 
Apparate, sowohl der vertikalen, als auch der horizontalen. 

Moitessier’s verti- 
kaler Apparat für direkte 
starke Vergrösserungen 
(Figur 8) zeigt eine über 
das Mikroskop zu setzende, 
von drei Holzleisten ge- 
tragene Balgkamera , an 
deren oberem Ende ein 
20 cm langer, hölzerner 
Kasten mit seitlicher, licht- 
dicht schliessender Thür 
sich befindet. Zur feinen 
Einstellung wird anstatt 
einer mattgeschliffenen 
Glasscheibe eine mit 
weissem Papier überzo- 
gene Tafel verwendet. 

Das auf dieser Tafel durch 
das Objektiv entworfene 
Bild betrachtet man von 
vorn durch die seitlich 
angebrachte Thür. Bei 
Arbeiten mit schwachen 
Objektiven und kräftiger 
Beleuchtung eignet sich 
das weisse Papier sehr gut 
zur scharfen Einstellung; 
bei starken Vergrösse- 
rungen ist es jedoch nicht 
brauchbar, weil man sich 
demselben nicht in ausgie- 
biger Weise von der Seite 
her nähern kann, ohne das 
Gesichtsfeld zu verdunkeln. 

Da auch Moitessier die Schattenseiten der vertikalen Apparate 
kennen lernte, so konstruirte er, genau wie ehedem Pohl in Wien 
(s. Figur 2), eine Vorrichtung mit vertikalem Mikroskop aber horizon- 




8 . 



12 



taler Kamera; oben auf den Mikroskoptubus steckte er ein Prisma 
mit totaler Reflexion. Die feine Einstellung geschieht auch hier auf 
weissem Papier; man öffnet die am Kamera-Ende seitlich angebrachte 
kleine Thür und betrachtet, während die Hand an der Mikrometer- 
schraube dreht, das auf dem Papier entworfene Bild. Dieser Apparat 
ist demjenigen von Pohl durch seinen viel längeren Auszug überlegen; 
die feste Verbindung zwischen Mikroskop und Kamera muss dagegen 
als ein Rückschritt gegen Pohl’s Apparat bezeichnet werden. 

Endlich beschreibt Moitessier auch einen Apparat, bei dem das 
durch einen umlegbaren Fuss in horizontale Lage gebrachte Mikroskop 
mit horizontaler Kamera fest verbunden ist (Figur 9). Durch diese 
Anordnung, welche einen gewaltigen Fortschritt gegenüber den bis 




9. 



dahin üblichen Konstruktionen bedeutet, kommt das total reflektirende 
Prisma in Fortfall; auch kann das Objekt direkt von unten ohne 
Zwischenschaltung eines Spiegels beleuchtet werden. 

Freilich liess sich auch, wie wir sahen, der Apparat von Möller 
und Emmerich (Figur 7) in horizontale Lage bringen und schon vor 
Moitessier hatte der Amerikaner 0. N. Rood im Jahre 1862 einen 
horizontalen, mit umlegbarem Mikroskop versehenen Apparat be- 
schrieben 1 , doch gebührt Moitessier der Ruhm, mit Nachdruck auf 
die Vorzüge dieser Anordnung hingewiesen zu haben (Moitessier, S. 135). 

Nach MoitessiWs Meinung ist das umgelegte Mikroskop nur zum 
Photographiren fest verkitteter Objekte zu verwenden, die ohne Schaden 
in vertikaler Lage auf dem Objekttisch durch Klemmfedern befestigt 
werden können. Das ist eine durchaus irrige Meinung; denn in Folge 
von Adhäsion des Deckgläschens ist auch bei den in flüssigen Medien 



9 Quart. Journal N. Ser. VIII, 1862, p. 261. 



13 



eingebetteten Präparaten das Bestreben herunterzusinken ein gering- 
fügiges, wofern nur recht wenig Flüssigkeit zwischen Objektträger und 
Deckgläschen sich befindet. — 



Um bei Anwendung 



von Sonnenlicht den 
Spiegel überflüssig 
zu machen, welcher 
selbst bei horizontaler 
Lage des Mikroskops 
erforderlich wird, kam 
Benecke, der Ueber- 
setzer des Moites- 
siEn’schen Werkes, 
auf den Gedanken, 
den ganzen mikro- 
photographischen Ap- 
parat wie ein Fern- 
rohr auf parallakti- 
schem Stativ zu be- 
festigen und bei der 
Aufnahme direkt der 
Sonne zuzukehren h 
Die hierbei verwen- 
dete Balgkamera kann 
auf 1 m Länge aus- 
gezogenwerden. Das 
Grundbrett derselben 
besteht der bequeme- 
ren Handhabung we- 
gen aus zwei durch 
Charniere verbundene 
und durch starke Rie- 
gel in einer Ebene zu 
vereinigenden Hälf- 
ten. Die Kamera trägt 
an ihrer Vorderfläche 
eine Messingplatte, in 
deren Mitte der durch 




10 . 



q A. a. 0. S. 65, und Benecke, Beiträge zur mikrophotographischen 
Technik (Archiv f. mikroskop. Anatomie 1867 S. 61). 



14 



Zahn und Trieb vor- und rückwärts zu bewegende Tubus steckt. Zu 
beiden Seiten des Tubus stehen zwei runde Stangen, auf denen sich 
der Objekttisch mit Hilfe eines Hebels und der seitlich angebrachten 
Mikrometerschraube verschieben lässt. 

Hat man den Apparat auf horizontaler Fläche genau im Meridian 
des Ortes aufgestellt, so ist nur nöthig, ihn am Morgen nach der Sonne 
zu richten, um derselben während des ganzen Tages durch Drehung 
einer archimedischen Schraube zu folgen. 

Der Apparat kann leicht in einen vertikalen verwandelt und mit 
dem nöthigen Spiegel in Verbindung gebracht werden ; zu diesem Zwecke 
wird das parallaktische Zwischenstück beseitigt und die Kamera direkt 
an der vertikalen Säule befestigt. Die Einstellung geschieht auf einer 
matten Glasplatte oder ohne Platte mit Hilfe einer Einstelllupe. Letztere 
ist über der centralen Oeffnung eines rechteckigen, dünnen Holz- oder 
Metalltäfelchens, dessen lange Seite an Grösse der angewandten Platte 
gleicht, in solcher Stellung ein für alle Mal befestigt, dass sie für eine 
Ebene, auf welche das Holztäfelchen aufgesetzt wird, vollkommen scharf 
eingestellt ist. Bringt man diese Lupe statt der lichtempfindlichen Platte 
in die in den Apparat eingeschobene Kassette, so liegt jedes mit der- 
selben scharf eingestellte Bild genau in der Ebene der lichtempfind- 
lichen Schicht. Dabei erlaubt die Schmalheit des Holztäfelchens die 
Lupe über das Gesichtsfeld hinwegzuführen und verschiedene Theile 
desselben zu beobachten. 

Benecke verräth uns nicht, wie er mit diesem monströsen Apparat 
dasjenige Gesichtsfeld, welches er zu photographiren gedachte, über- 
haupt auffand. Der Tubus ist fest mit dem Stirnbrett der Kamera ver- 
schraubt, sodass von einem Suchen bei gewöhnlicher Okularbeobachtung 
keine Bede sein kann. Wer es einmal versuchte, unter Beobachtung 
des Bildes auf der matten Scheibe ein bestimmtes Gesichtsfeld aus einem 
Objekt von einigem Umfang herauszufinden, wird kaum begreifen, dass 
Benecke nicht in erster Linie dafür Sorge trug, diesem Uebelstande 
abzuhelfen. Ueberdies ist die parallaktische Aufstellung, welche nur 
den Zweck hat, den Spiegel überflüssig zu machen, völlig werthlos, da 
bei der grossen Intensität des Sonnenlichts die durch einen, oder so- 
gar zwei Spiegel herbeigeführten Lichtverluste keine Rolle spielen. 

In der Folgezeit erfuhr der mikrophotographische Apparat durch 
Prof. Fritsch 1 wesentliche Verbesserungen. Das Hauptbestreben von 
Fritsch war darauf gerichtet, die verschiedenen Theile: Kamera, 

b Fritsch, G., Beitrag zur Kenntnis der mikroskopischen Photographie 
(, Licht’, Zeitschrift f. Photographie, Jahrg. I. Berlin 1869). 



15 



Mikroskopstativ und Beleuchtungsvorrichtung möglichst von einander 
zu trennen und nicht über einander, sondern neben einander aufzu- 
bauen. Er senkt den umlegbaren, hufeisenförmigen Fuss des Mikro- 
skops in den Ausschnitt eines massiven Brettes ein, welches durch 
aufgesetzte Stücke mit querer Faserung am Ziehen und Verbiegen mög- 
lichst gehindert wird. Das Mikroskop nimmt in dem Ausschnitt seinen 
festen, unverrückbaren Stand; die gewöhnliche photographische Kamera 
wird mit ihrer Front dicht an das Fussbrett des Mikroskops geschoben, 
mit diesem Brett jedoch nicht verbunden. Da die Kamera, um hin- 
reichend grosse Bilder zu ermöglichen, einen langen Auszug besitzen 
muss, so wird es nöthig, die Mikrometerschraube zu verlängern. Fritsch 
ersetzt den gewöhnlichen Kopf der Mikrometerschraube durch einen 
mit Zahnrad versehenen Kopf, welcher mit einem Trieb von nur halb 
so viel Zähnen in Verbindung steht (b in Figur 1 1). Dieser Trieb wird 
gedreht durch eine horizontale Achse, welche vermittelst zweier Kugel- 
gelenke und eines 15 cm langen Zwischenstücks mit einem Holzstab 
derart verbunden ist, dass jede Drehung des letzteren eine Bewegung 
der Einstellschraube hervorruft. Der Holzstab liegt frei neben der 
Kamera, damit nicht die bei dem Oeffnen und Schliessen des Kassetten- 
schiebers unvermeidliche Erschütterung der Kamera sich auf das Mikro- 
skop fortpflanzen kann. Der Trieb ruht auf massivem Metallfuss. Die 
feine Einstellung geschieht auf durchsichtiger Spiegelglasscheibe mit Hilfe 
der Einstellupe. Zur lichtdichten Verbindung von Tubus und Kamera 
befindet sich am Stirnbrett der letzteren ein schwarzer, mit Schnürzug 
versehener Aermel, der sich über dem Tubus zusammenziehen lässt. Ein 
Schlitten nimmt die zur Beleuchtung nothwendigen Gegenstände, wie 
Spiegel, Küvette, Blenden und Sammellinse auf, die zur Ermöglichung 
genauster Centrirung insgesammt auf Trägern ruhen, welche nicht nur 
in der Höhe, sondern auch nach rechts und links verstellbar sind. 
Ein fester, schwer zu erschütternder Tisch trägt den ganzen Apparat. 

Die von Fritsch empfohlene Anordnung gestattet vor Beginn der 
eigentlichen photographischen Arbeit das aufzunehmende Präparat mit 
Hilfe des Okulars unbehindert zu durchmustern, die zur Aufnahme am 
meisten geeignete Stelle aufzusuchen, die Beleuchtung zu regeln und 
dann erst durch Heranschieben der photographischen Kamera und 
Ueberziehen des lichtdichten Aermels den Tubus mit der Kamera in 
Verbindung zu bringen. 

R. Koch *, welcher sich zu seinen vortrefflich gelungenen Auf- 

*) Koch, R., Untersuchungen über Bakterien (Cohn, Beiträge zur Biologie 
der Pflanzen. Bd. II. S. 411. Breslau 1877). 



16 



nahmen des Apparats von Fritsch bediente, schlug vor, um sowohl 
Kamera wie Mikroskop unverändert stehen lassen, und dennoch ohne 
Umstände jederzeit in den Tubus blicken zu können, ein trichter- 
förmiges Ansatzrohr am Stirnbrett der Kamera anzubringen, welches 
sich ohne Verschiebung des Mikroskops oder der Kamera leicht ab- 
nehmen lässt und eine solche Länge besitzt, dass nach Entfernung 
desselben der Kopf des Beobachters zwischen Kamera und Tubus 
Platz findet. 



Später nahm Fritsch 1 einige nicht wesentliche Veränderungen an 
seinem Apparate vor und nannte denselben, welcher nunmehr für starke 




11 . 



und schwache Vergrösserung, in horizontaler wie in vertikaler Stellung 
gleich brauchbar erscheint, mikrophotographischen Universalapparat. 
Die Firma Seibert und Krafft in Wetzlar führte den Apparat aus 
und taufte ihn auf ihren Namen (Figur 11 u. 12). 

Der ungewöhnlich weite Tubus wird durch Zahn und Trieb am 
Prisma, aber ausserdem noch durch freie Schiebung bewegt, sodass 
ein Bildwinkel von etwa 35° bei Fokalabständen, die auch den kleinen 
Aplanaten genügen, zur Verwendung kommen kann. Der drehbare 
Objekttisch lässt sich durch freie Schiebung entfernen, und es wird 
dadurch eine Oeffnung von 4 cm Durchmesser für die Beleuchtung 
frei. Ein oben über den Tubus gezogener Metallring ist an einem 
kegelförmig geschnittenen Tuchsack lichtdicht befestigt. Letzterer sitzt 

b Bericht über die allgemeine deutsche Ausstellung a. d. Gebiete der 
Hygiene und des Bettungswesens, Berlin 1882-83. Herausgeg. von Dr. Paul 
Börner. Bd. I. S. 100. Breslau 1885. 



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an einem kurzen Zwischenblasebalg h und vermittelt so die Verbin- 
dung mit dem Stirnbrett einer gewöhnlichen, hier nicht gezeichneten, 
photographischen Kamera. Der Zwischenblasebalg vertritt die Stelle 
des trichterförmigen Ansatzrohrs nach Koch ; er ermöglicht, ohne irgend 
einen Theil zu rücken oder stärker zu erschüttern, bei zusammen- 




12 . 



gelegtem Balg den Kopf zwischen Kamera und Mikroskop zu bringen. 
Die freie Einstellung geschieht wie bei dem früheren Apparat mit Hilfe 
des sogen. HooKE’schen Schlüssels. Auch die Aufstellung der Be- 
leuchtungsvorrichtungen auf dem Schlitten g (Planspiegel, Sammellinse, 
Blende, matte Scheibe, Küvette) ist nicht verändert. Sind alle Theile 
durch ihre Schrauben festgestellt, so genügt die Aufrichtung des im 
Scharnier beweglichen Fussbrettes k (Figur 12), um Mikroskop nebst 

Neuhauss. 2 



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Beleuchtungsapparat in senkrechte Stellung zu bringen. Dann hat man 
das Präparat in wagerechter Lage, welche natürlich auch der photo- 
graphischen Platte anzuweisen ist. Dies geschieht am einfachsten durch 
Aufhängen der photographischen Kamera in entsprechender Höhe an 
senkrechter Wand über dem Mikroskop. Hierdurch erwachsen keine 
anderen nennenswerthen Schwierigkeiten, als dass man das Bild auf 
der Visirscheibe unter Benutzung eines Trittbrettes beobachten muss. 

Der Apparat von Fritsch bedeutet einen höchst bemerkenswerthen 
Fortschritt in der Entwicklung der mikrophotographischen Apparate. 

Sind, wie dies früher fast allgemein geschah, Mikroskop und 
Kamera fest mit einander verbunden, so kann schon durch das Auf- 
setzen der Lupe auf die Visirscheibe die feine Einstellung verändert 
werden; weit grösser sind natürlich die Störungen, welche das Ein- 
schieben der Kassette und das Aufziehen des Schiebers verursachen. 
Der hierbei auf die Kamera ausgeübte Druck überträgt sich auf den 
Tubus und bewirkt eine Aenderung in dem Abstand des Objektivs vom 
Objekt. Am meisten fällt diese Erscheinung bei Verwendung starker 
Objektive auf. 

Wenn auch vereinzelte Mikrophotographen vor Fritsch, wie 
Pohl und Weselsky (Figur 2), Harting (Figur 6), Reichardt und 
Stürenburg 1 , Tubus und Kamera durch einen lichtdichten Aermel 
locker verbanden, so geschah dies mehr des billigen Materials wegen, 
als in der ausgesprochenen Absicht, hierdurch möglichste Trennung 
beider Theile herbeizuführen. 

Die von Fritsch empfohlene Trennung des Kamera und Stativ 
tragenden Laufbrettes schützt das Mikroskop ebenfalls vor Erschütte- 
rungen. 

Dass diese Anordnung auch den Vorzug hat, jede beliebige photo- 
graphische Kamera für mikrophotographische Zwecke verwerthen zu 
können, bedarf nicht besonderer Erwähnung. 

Ferner verdient die eigenartige Verlängerung der Mikrometer- 
schraube nach Fritsch vollste Anerkennung. Während man Anfangs 
nur mit so kurzer Balgenlänge arbeitete, dass die Erreichung der Mikro- 
meterschraube mit der Hand keine Schwierigkeiten bereitete, musste, 
als das Verlangen nach stärkeren Vergrösserungen sich geltend machte 
und demzufolge die Balgenlänge wuchs, den veränderten Verhältnissen 

l ) Reichardt und Stürenburg, Lehrbuch der mikroskopischen Photo- 
graphie. Leipzig 1868, Quandt & Händel. — Da der von R. u. St. beschriebene 
Apparat von älteren Konstruktionen sich nicht wesentlich unterscheidet, so 
nahmen wir im Vorhergehenden von seiner Erwähnung Abstand. 



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durch besondere Vorkehrungen Rechnung getragen werden. Moitessier 1 
schlägt ein System von Hebeln und Schrauben vor, mittelst dessen man 
die Mikrometerschraube aus grösserer Entfernung bequem bewegen 
könne; vorth eilhafter sei es jedoch, das auf weisses Papier entworfene 
Bild durch eine an der Kamera seitlich angebrachte Thür von vorn 
zu betrachten, wobei selbst bei langem Auszug die Erreichung der 
Mikrometerschraube ohne Weiteres gelingt. 

Der Amerikaner Rood stellt bei seiner im Vorhergehenden nur 
kurz erwähnten Kamera (s. S. 12) hinter der Einstellscheibe einen 
Planspiegel derart auf, dass man vom Mikroskop aus das auf der 
matten Scheibe entworfene Bild sieht. Ueber dies Verfahren, welches 
Stein 2 später als das seinige beschrieb, ist zu bemerken, dass eine 
scharfe Einstellung feinster Einzelheiten bei starken Vergrösserungen 
hierdurch niemals ermöglicht wird, auch dann nicht, wenn man wie 
Stein sich zur Beobachtung des Bildes eines kleinen Fernrohrs oder 
eines guten Opernglases bedient. 

Benecke’s grosser Apparat (Figur 10) besitzt zur feinen Einstel- 
lung eine an der Kamera seitwärts angebrachte lange Schraube, welche 
mit der Hand bequem erreichbar ist, während das Auge das Bild auf 
der Einstellscheibe mustert. 

Die von Fritsch bei langer Kamera empfohlene feine Einstellung 
mit Hilfe des HooKE’schen Schlüssels ist einerseits deshalb unüber- 
trefflich, weil sie die feinste Bewegung der Mikrometerschraube auf 
jede beliebige Entfernung hin gestattet, und weil sie andererseits, 
worauf Fritsch mit Recht besonderes Gewicht legt, Erschütterungen 
der Kamera nicht auf das Mikroskop übertragen kann, was stets zu 
fürchten ist, wenn die Verlängerung der Schraube fest mit der Kamera 
in Verbindung steht. 

Einen gewaltigen Fortschritt bezeichnet endlich die von Fritsch 
angegebene feine Einstellung auf durchsichtiger Spiegelglasscheibe mit 
Hilfe der Einsteilupe. Wir erinnern daran, dass man schon sehr früh 
darauf bedacht war, das grobe Korn der gewöhnlichen matten Scheibe 
durchsichtiger zu machen. Pohl empfahl im Jahre 1852 (s. S. 3) die 
Scheibe einzuölen; Gerlach ersetzte das Glas durch dünnes, durch- 
sichtiges Pauspapier (S. 5); Moitessier verwendete eine mit weissem 
Papier überzogene Tafel und Benecke betrachtete das Bild ohne jede 
Scheibe nur mit Hilfe der Einsteilupe. Während ein auf weissem 



9 A. a. 0. S. 128. 

2 ) Stein, Das Licht. Heft 2 S. 231. 



2 *